„Hey Senat, so geht’s nicht!“

Hamburg wird zu Kleinkleckersdorf

Die Event- und Cateringbranche war eine der ersten Branchen, die nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie quasi lahmgelegt wurde — und ist eine der letzten, die „nach Corona“ wieder in Fahrt kommt.

Alle Bundesländer haben mehr oder weniger strikte Beschränkungen in ihre Corona-Regelungen aufgenommen und zum Beispiel die Teilnehmerzahl begrenzt. Die Bandbreite reicht dabei aktuell von einer Zulässigkeit geschlossener Gesellschaften bis 30 Personen in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 150 Personen in Innenräumen und 200 Personen unter freiem Himmel in Berlin. Schlusslicht der bundesweiten Rückkehr zur Normalität ist Hamburg, wo weiterhin ein grundsätzliches Veranstaltungsverbot gilt.  

Alexander Brückmann, Geschäftsführer von Tafelspitz

Das Catering-Unternehmen Tafelspitz hat deshalb beim dortigen Verwaltungsgericht einen Eilantrag eingereicht. In einem Schreiben, das dem Magazin der Gastro Vision vorliegt, heißt es: „Die erste Phase des Lockdowns ist vorbei und damit auch die erste Not des Verordnungsgebers, in der ihm zur effektiven Pandemiebekämp-fung ein großer Spielraum zuzugestehen war. Die Aufrechterhaltung von Verboten – schwerwiegenden Grundrechtseingriffen – darf jetzt nur noch mit Augenmaß erfolgen.“ Die Schlechterstellung der Event- und Cateringbranche gegenüber der „normalen“ Gastronomie sei vor diesem Hintergrund nicht mehr verständlich. Denn gerade die Eventbranche benötige eine „gewisse Vorlaufzeit“, bis alle Planungen mit Kunden abgeschlossen seien und sie wieder so liquide sei, um Gehälter zahlen zu können. Die fehlende Planungssicherheit treffe somit Event- und Catering-Unternehmen „unnötig hart“, findet der Tafelspitz-Geschäftsführer Alexander Brückmann.

Das zusammen mit dem Antrag eingereichte Hygienekonzept zeige stellvertretend für die Branche auf, wie Events in Zukunft aussehen könnten und will – auch unabhängig von dem Ausgang des gerichtlichen Verfahrens – den Weg in eine neue Normalität ebnen. Was die Catering-Branche vor allem brauche, seien Einsicht und Vertrauen der Entscheidungsträger.

Vorwürfe gegen den Hamburger Senat erhebt auch das barkombinat, zu dem sich mehr als 60 Bars zusammengeschlossen haben. Zwar wurde der Betrieb für Restaurants und Schankwirtschaften Mitte Mai von einem Tag auf den anderen unter strengen Auflagen freigegeben. Die seien jedoch so hoch, dass das „Produkt Bar“ kaputt sei: „Die Umsätze reichen nicht, um Personal, Miete, Lieferanten und Steuern zu bezahlen. Der Spirit, für den Leute seit jeher in Bars und Kneipen gehen, ist zwischen Plexiglaswänden, Registrierungslisten und Gebrauchsanweisungen für das Trinken in Corona-Zeiten sowieso nicht da.“ Während die Gastronomen den Infektionsschutz verdammt ernstnähmen, wälze der Senat die Verantwortung der Lockerung auf sie ab: „Wir sollen nun Ordnungshüter, Hygiene-Beauftragte, Datenschützer und Security in einem sein. Hey Senat, so geht’s nicht!“

Als Sofortmaßnahmen fordert das barkombinat, dem vor allem Bars aus den Szene-Vierteln St. Pauli, Schanze und Ottensen angehören, Ausgleichszahlungen in Form von Mietzuschüssen, Subventionen für den erhöhten Personalaufwand und Investitionen zur Erfüllung der Pandemie-Auflagen, eine rückwirkende Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 80 Prozent und eine unbürokratische Erweiterung der Flächen für die Außengastronomie. Denn wenn der Senat weiterhin zusähe, wie eine Bar nach der anderen Insolvenz anmelden müsse, würde aus dem „Tor zur Welt“ nur allzu schnell ein „Provinznest“ und Hamburg würde all jene Bars und Kneipen verlieren, die ganze Viertel geprägt haben und Orte des „nachbarschaftlichen Miteinanders, des Zusammenhalts, der Freundschaft, der Leidenschaft“ seien.

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