Corona als Beschleuniger in der Hospitality

Für welche Hospitality-Trends wurde die Corona-Pandemie zum Beschleuniger? Wir haben dazu Zukunftsforscher Tristan Horx befragt und sechs Entwicklungen für die Reise- und Hotelbranche herausgearbeitet:

1. Workation

Ein Trend, der schon vor der Pandemie spürbar war und mit Corona deutlich an Fahrt aufgenommen hat, ist Workation. „Eigentlich unvereinbar, würde man meinen. Gerade in der fluiden Arbeitswelt ist das Modell aber sinnvoll“, sagt Tristan Horx. Denn: „Andere Umstände, andere Kulturen, eine andere Umgebung – das alles inspiriert einen und führt zu kreativerer Arbeit.“ Gerade während der Corona-Pandemie sei die Arbeit aber durch das viele Homeoffice in das Schlafzimmer gekrochen, sagt Horx. Positive Effekte seien in der Zeit kaum entstanden. Workation wäre aber einer: die positive Vermengung von Arbeit, Leben und Freizeit. Während Workation vor der Pandemie vor allem unter Selbstständigen bekannt war, sieht Horx nun eine gute Prognose für das Modell. „Alleine das Gedankenspiel, bei einem Jobangebot vier Wochen Workation in Aussicht gestellt zu bekommen, ändert einiges an der Attraktivität der Stelle.“

2. Greenwashing

Die in Plastik laminierte DIN-A4-Bitte im Badezimmer, Handtücher doch falls möglich erst dann auf den Boden zu werfen, wenn neue gewünscht seien. Denn das Hotel, so wird versichert, achte selbstredend auf die Umwelt. Dieses Label „umweltfreundlich“ reicht nicht mehr. „In dieser Form ist das Thema durch“, sagt Horx. „Der Konsument wird sich dieses oberflächliche Greenwashing so nicht mehr gefallen lassen.“ In Zeiten, in denen Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, in denen von der großen Firma bis zum kleinen Familienunternehmen Transparenz gefordert wird, braucht es ein internationales Gütesiegel und keine losen Marketing-Gags. „Es braucht eine Behörde, supranationale Lösungsmechanismen und vor allem das Vertrauen in diese“, sagt Horx. Denn solch eine internationale Behörde könnte dann bescheinigen, welches Hotel, welche Firma klimaneutral arbeitet. „Die Konsumenten wollen sich ja nicht in die Ökobilanz jedes Hotels einlesen.“ Horx prognostiziert: „Dieses Gütesiegel wird bald entstehen, denn die Forderung nach Transparenz ist ansonsten sinnlos.“

3. Entschleunigung

„Unsere Reisetaktung wird sich nachhaltig verändern“, sagt der Trendforscher. Und auch der Reiseweg werde bewusster wahrgenommen. Gerade während der Coronavirus-Pandemie habe man doch gemerkt, wie viel besser eine Zugfahrt oder Flugreise ablaufen könne. Die Wartezeiten waren kürzer, die Leute gingen achtsamer miteinander um, es war einfach viel weniger los. Das Problem: „Die Geschwindigkeit der Reise wurde lange höher bewertet als die Qualität der Reise“, sagt Horx. Künftig werden wir polymobiler verreisen. Und: „Wir werden weniger Kurzreisen machen.“ Ein Wochenendtrip in eine ferne Stadt, zwei Tage hier, zwei Tage dort, das wird für die Menschen weniger attraktiv sein, glaubt Horx. Dadurch würden die Flugzeuge und Züge entlastet – und der Weg zum Ziel wieder erholsamer.

4. Detoxing

In einer immer hektischeren Welt, inmitten von Pandemie und Klimawandel, ist das Verlangen nach Ruhe groß. Gerade wenn man mal ein paar Tage frei hat. Die zu finden, ist aber nicht immer ganz einfach, sagt Horx. „Um sich entspannen zu können, braucht man ein hohes Maß an Vertrauen in das Umfeld und damit auch in das Hotel und dessen Angestellte.“ Künftig, prognostiziert Horx, wird es weniger große Hotels geben. Der Trend geht in die entgegengesetzte Richtung, Individualität statt Fünf-Stockwerke-Bunker. „Weniger Massenhotel, mehr Digital Detox“, nennt das Horx: „Das Motto Quantität statt Qualität ist passé.“ Der Mensch will sich bewusst dem medialen Dauerfeuer entziehen, sich einfach mal rausnehmen, entspannen. Eine Entwicklung, die sich weiter verstärken wird, sagt Horx.

5. Resonanz-Tourismus:

Das grundlegende Prinzip hinter der Resonanz ist der Wunsch nach nachhaltigen Beziehungserfahrungen. „Es geht darum, dass der Tourist auch etwas mitbringt an den Ort, an den er verreist“, sagt Horx. Ein Beispiel: Ein Reisender macht Urlaub auf einer kleinen griechischen Insel, bleibt dort über zwei oder drei Wochen. Er findet ein kleines Fischrestaurant am Hafen, kommt ins Gespräch mit den Inhabern, isst immer wieder dort, baut schließlich Beziehungen auf. Tourist wie Einheimische profitieren von diesem kulturellen Austausch. Horx sagt: „Der Post-Corona-Tourismus wird ein Beziehungstourismus sein.“ Urlaub, nur um ihn bildgewaltig auf Instagram zu inszenieren, hat ausgedient. Denn in der Pandemie haben die Menschen gelernt, dass ihre 5000 Follower in der digitalen Einsamkeit nichts bringen. Das Oberflächliche ist gesättigt. Der Mensch sehnt sich nach unmittelbarer Berührung, er will mit seiner Umgebung schwingen – daher der Name.

6. Abkehr vom Overtourism

Der nachpandemische Urlaub wird verstörende Bilder produzieren. Davon geht zumindest Zukunftsforscher Horx aus. Er meint damit: Überlaufene Boulevards, Strände, an denen man kaum ein Handtuch ausbreiten kann und Einheimische, die ob der Massen die Wintersaison nur noch herbeisehnen. Im diesjährigen Sommer seien die meisten wegen der noch andauernden Pandemie vorsichtig, entspannter Urlaub wird möglich sein. Dann aber, im Sommer 2022 „wird es einen Nachholeffekt geben“, prognostiziert Horx. Die Urlauber werden die üblichen touristischen Hotspots überlaufen. Und dann? „Es kommt zur Desillusionierung der Massen“, sagt Horx. „Und dann zum strukturellen Wandel.“ Die Leute kämen darauf, dass so ein Urlaub keine Erholung bieten kann. „Ginge es so weiter wie vor der Pandemie, ruinieren wir uns unsere Städte und die Umwelt.“ Geht es nach Horx, könnte die Krise so etwas wie der Schlussstrich des Overtourism sein. Profitieren könnte der Inlandstourismus. Doch Horx mahnt: „Auch hier sollten nicht alle gleichzeitig an denselben Ort fahren.“ Die Begrenzung der Tagestouristen könnte da beispielsweise eine Lösung sein.

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