„Spahnsinn“

Das Comeback der Konserve

Das Coronavirus wird uns wohl noch eine Zeit lang beschäftigen. Eine Chronik der laufenden Ereignisse.

22. Januar
Knapp einen Monat, nachdem im chinesischen Wuhan das Coronavirus ausgebrochen war, unkt das Satire-Magazin Der Postillon, die Biermarke Corona werde in Ebola umbenannt, damit Kunden nicht das Gefühl hätten, „eine ansteckende Krankheit zu trinken“.

28. Februar
Die Welt stellt 10 Lebensmittel vor, „die in jede Vorratskammer gehören“. Zwar gebe es „aktuell keine Veranlassung für Hamsterkäufe“, heißt es in dem Artikel, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe habe jedoch schon 2016 geraten, Lebensmittel für 10 Tage vorrätig zu halten.
Nicht nur mit Erbsen, Bohnen und Linsen, Mehl und Haferflocken, Nudeln und Reis, eingemachten Tomaten, Pflanzen- und Olivenölen sollte sich der Verbraucher eindecken, sondern auch mit Kokosmilch, Miso-Paste, Fischkonserven, Zitronensaft und Honig. Der Text enthält Affiliate Links, die zu Amazon führen und der Zeitung im Falle eines Kaufes eine Provision bescheren. Auf die Berichterstattung soll sich das nicht ausgewirkt haben, aber so verdient der Springer Verlag an der Angst der Verbraucher wenigstens ein paar Cent.

2. März
Die taz berichtet über Hamsterkäufe und das „Comeback für Büchsenbrot“. Supermärkte in Berlin und Brandenburg meldeten Umsatzsteigerungen bis zu 40 Prozent. Und auch in NRW wurden die Regale leergekauft.

3. März

Weil sich an der türkisch-griechischen Grenze ein Flüchtlingsdrama abspielt, twittert die soziale Limonade Lemonaid:  

„Wegen des gefährlichen Coronavirus“ wird die Internorga verschoben. Damit folgt die Messe Hamburg den Empfehlungen des Krisenstabs der Bundesregierung, bei der Risikobewertung von Großveranstaltungen die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts anzuwenden. 
Kurz darauf muss auch die Gastro Vision verlegt werden. Obwohl der Gastro-Vision-Veranstalter Klaus Klische die aufgeheizte Situation und die daraus resultierenden Entscheidungen rational nicht nachvollziehen kann, ist er allen Beteiligten gegenüber in der Verantwortung, eine gewohnt professionelle Gastro Vision durchzuführen: „Und das können wir unter den derzeitigen Rahmenbedingungen leider nicht gewährleisten.“

Per Merkblatt teilt der Dehoga mit, dass „das Stattfinden einer Messe“ zum persönlichen Risikobereich des Gastes gehört und ihn nicht von der Zahlungspflicht befreit, „wenn die Messe abgesagt wurde“. Jedem Hotelier bleibe es aber selbst überlassen, ob er sich kulant zeige und dem stornierenden Gast die eigentlich vereinbarte Zahlung aufgrund unerwarteter Ereignisse erlasse. Buchungen könnten auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, um Kunden nicht für immer zu verlieren. 

Selbst ist der Mann — Dittsche klaut in Krankenhäusern keine Atemschutzmasken, sondern bastelt sich selbst eine

5. März
Aus Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus untersagt die US-Kaffeehauskette Starbucks es ihren Kunden, mitgebrachte Kaffeebecher zu nutzen. Das Unternehmen habe von seinen chinesischen Führungskräften, „die als erste mit dieser Epidemie konfrontiert waren, seine Lektionen gelernt“, heißt es in der Begründung des Becherverbots.

6. März
Lebensmittelspenden für die Berliner Tafel sind deutlich zurückgegangen. Die Menge an Obst, Gemüse und Brot sei rund um die Hälfte gesunken, gibt die Hilfsorganisation auf ihrer Internetseite bekannt. Der Grund: Die Konsumenten haben in der vergangenen Woche vermehrt haltbare Lebensmittel eingekauft und so den Umsatz des Lebensmittelhandels um 14 Prozent im Vergleich zur Vorwoche gesteigert.
Der FAZ zufolge stieg der Umsatz von Suppen um 112 Prozent, der von Fisch- und Obstkonserven um 70 Prozent, Teigwaren machten 73 Prozent mehr Umsatz und Gemüsekonserven 80.

7. März
Die Süddeutsche Zeitung mokiert sich über das „Comeback der Konserve“: „Der Pichelsteiner Topf von Erasco ist einfach nicht instagramtauglich.“

Handhygiene und Niesetikette = ja! Aber Joe Oehler reist trotzdem nach NRW

Nachdem der Gesundheitsminister Jens Spahn dazu aufgerufen hat, nur noch nach Nordrhein-Westfalen zu fahren, wenn es unbedingt nötig sei, um die Ausbreitung des Coronavirus zu hemmen, empört sich Jochen Oehler, der Geschäftsführer der Einkaufsgesellschaft progros, via Facebook über den „Spahnsinn“: „Per heute sind 0,0009 % der gesamtdeutschen Bevölkerung mit C….a infiziert. 700 von 80.000.000! Wir entziehen durch Reisestopps, Veranstaltungsabsagen und Quarantänen dem Land mehr Arbeitskraft als wir sie ihm selbst durch eine noch höhere Infektionsquote je entziehen würden.“

 

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