Ossis essen mehr Fleisch als Wessis

Comeback der Ravioli-Dose

Der Ernährungsreport 2020 gibt darüber Auskunft, wie sehr der Lebensmittelhandel vom Lockdown beeinflusst wurde. Die Klimabilanzen mancher Produkte überraschen jedoch.

Dem Ernährungsreport 2020 zufolge werden regionale Produkte dank Corona wieder mehr geschätzt. „Der absolute Star“, so  Christoph Minhoff vom Lebensmittelverband in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, seien jedoch Brotbackmischungen gewesen „und auch die Ravioli-Dose feierte ein Comeback“. Allein in der zweiten Märzwoche wurden 334 Prozent mehr Brotbackmischungen verkauft, Mehl wurde um 200 Prozent mehr nachgefragt, und auch Reis (180 %), Teigwaren (170 %), Trockensuppen (143 %) und Zucker und Würstchenkonserven (je 111 %) verzeichneten starke Zugewinne. Hefe war vielerorts sogar ausverkauft, was aber nicht an fehlender Hefe lag, sondern am Mangel plötzlich benötigter Verpackungen. Überraschenderweise stieg der Absatz von Bier hingegen gerade mal um 10 Prozent an, und mit Spirituosen wurde sogar 16,8 Prozent weniger Umsatz gemacht.

Nudeln gehen immer — Pasta im Plus

„Statt um die Ästhetik“ eines perfekten Avocadotoasts oder einer schick geschichteten Bowl gehe es in Zeiten von Corona eher um den „Prozess des Kochens“. Das glaubt jedenfalls die Trendforscherin Hanni Rützel (Food Report). Und dem Ernährungssoziologen Daniel Kofahl zufolge waren die vergangenen Wochen für viele ein „Schritt in die kulinarische Selbstständigkeit mit neuer Kompetenz“. Allein jenen, „die am Ende des Monats zehn Euro übrig haben, um ihre Familie zu versorgen“, konterte Minhoff polemisch, diente das Kochen jedoch nicht der „Selbstverwirklichung“.

Gaben 2015 noch 34 Prozent der Befragten an, täglich Wurst oder Fleisch zu essen, sind es laut aktuellem Ernährungsreport nur noch 26 Prozent — wobei vor allem Männer ihren Konsum gedrosselt haben und Ossis mehr Fleisch essen als Wessis. Bundesweit greifen immerhin 5 Prozent zu vegetarischen oder veganen Alternativprodukten.

Deutsche Tomaten haben keine gute Klimabilanz

Der Mathematiker Manuel Klarmann rechnete derweil in der FAZ die Klimabilanz von Produkten aus. Sein Ziel: „Wir müssen pro Kopf eine Tonne CO2 sparen, um die Klimaziele zu erreichen.“  Bei jedem Produkt berücksichtigt er aber, wie viel es dazu beiträgt, den allgemeinen Nährstoffbedarf zu decken, bevor er das Ergebnis dieser Analyse ins Verhältnis zum Ausstoß von Treibhausgasen stellt.
Den höchsten Emissionswert habe Kalbsfilet mit einem Ausstoß von 18,8 Kilo Kohlendioxid. Bei Kartoffeln seien es hingegen nur 114 Gramm. Wer aber im März Tomaten aus Deutschland kaufe, schade der Umwelt mehr, als mit der Wahl spanischer Importtomaten oder italienischer Dosentomaten. Weshalb Klarmann dafür plädiert, nicht stumpf auf einheimische Produkte zu setzen: „Die deutsche Butter, die ich mir aufs Brot schmiere, ist viel schädlicher als die Avocado aus Peru.“ Denn der Transport einer Avocado mache nur vier bis sechs Prozent der Emissionen aus. Wie bei allen Tierprodukten sei hingegen die Herstellung von Butter besonders klimaschädlich.

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