Rezepte, die Geschichte machten

Kulturelles Gedächtnis

In 100 Menüs durch die Weltgeschichte

Beim Festmahl für den assyrischen König Assurnasirpal II. im Jahr
879 vor Christus wurden 14.000 Schafe, 500 Gazellen und 10.000
Springmäuse verzehrt. Das erste Menü im Weltraum bestand 1961
aus Fleischpüree und Schokoladensoße in Tuben. Die vermögenden
Passagiere der Titanic schlürften Austern und aßen gebratenes Küken an Kresse, Pasteten mit Foie Gras und zweierlei éclairs, bevor sie am 14. April 1912 untergingen. Als sich Elvis Presley am 27. August 1965 mit den Beatles traf, servierte er ihnen Russische Eier, gebratene Hühnchenleber im Speckmantel, süße und saure Fleischbällchen, Krebsfleisch, eine kalte Wurstplatte, Früchte und Käse. Und beim letzten State Dinner von US-Präsident Barack Obama 2016 wurden Krebscannoli mit Johannisbeertomaten aus eigenem Anbau gereicht und Brombeertörtchen zum Nachtisch. Die Hintergründe, Speisenfolgen und Zutaten außergewöhnlicher Mahlzeiten der letzten drei Jahrtausende haben Moritz Rauchhaus und Tobias Roth für ihr Buch Wohl bekam’s. In 100 Menus durch die Weltgeschichte rekonstruiert, das im Verlag Das kulturelle Gedächtnis erschienen ist.

Churchills Kochbuch
Ohne seine Köchin hätte der englische Premierminister Winston Churchill den Zweiten Weltkrieg  nicht überlebt, wie er selbst eingestand, und den Vegetarier und Abstinenzler Adolf Hitler nicht besiegt, weshalb er sich in seiner Siegesrede 1945 auch bei ihr bedankte.

Georgina Landemare, die mit einem ehemaligen Chefkoch des Pariser Ritz verheiratet war, hatte für Churchill schon vor dem Krieg gelegentlich traditionelle britische Gerichte gekocht und sie mit einem Touch französischer Raffinesse  verfeinert. Bei Kriegsbeginn wurde sie aber von ihm festangestellt. Als sie ihm eines Tages eine Liste benötigter Lebensmittel vorlegte, gab er ihr generös zu verstehen, dass die doch gut für einen Tag  reichen würden, nicht ahnend, dass sie eine ganze Woche damit auskommen musste, weil ihm nicht bewusst war, wie mager die Kriegsrationen wirklich waren.

Ihre Recipes from No. 10 waren schon in den Fünfzigerjahren in England ein Bestseller, enthielten sie doch simple Gerichte wie Omelett mit Kartoffeln und Prinzessinnenpudding oder Cumberland Sauce und Aspik und Rezepte für Yorkshire Pudding, Minzsauce, Chips und Scones. Kurz vor dem Inkrafttreten des Brexit wurden sie aber vom Imperial War Museum unter dem Titel Churchill’s Cookbook neu aufgelegt — möglicherweise, weil man befürchtete, dass sich die Briten schon bald keinen französischen Champagner, italienischen Mozzarella oder griechisches Olivenöl mehr leisten könnten.

Auszüge aus „Gastromania“ von Hollow Skai (217 Seiten, Euro 9,99), erhältlich in allen Online-Buchshops und Buchhandlungen oder bei www.bod.de

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