Kill & Grill

Gastrovision Roadshow

Der Geruch von Blut

Zwanzig Jahre lang lehrte der Biochemiker Patrick Brown an der
kalifornischen Stanford University Biochemie, wo er den Aids-Virus
erforschte und für seine „lebensrettenden Forschungsbeiträge“ von der American Cancer Society ausgezeichnet wurde. Dann gründete er mit Unterstützung von Bill Gates und Google ein eigenes Unternehmen, Impossible Foods, und entwickelte einen Burger, der nur pflanzliche Bestandteile enthält, aber trotzdem nicht wie ein Veggie-Burger schmeckt, sondern wie Fleisch.
In New Yorker Szene-Restaurants und Avantgarde-Lokalen in
San Francisco und Los Angeles stand der fleischlose Burger, wie die
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung im Januar 2018 berichtete, schon bald auf der Speisekarte – zum stolzen Preis von 17 Dollar. Und Brown war davon überzeugt, dass wir im Jahr 2035 „in einer Welt ohne Fleisch“ leben.
Drei Jahre lang hatte der Molekularbiologe erforscht, was die
Menschen betört – „der Geruch von Blut“. Und schließlich in der
Sojapflanze ein ähnliches Gen wie Häm entdeckt, das Bestandteil des Blutfarbstoffs Hämoglobin und verantwortlich für den Geruch und Geschmack von Blut ist.
Auf diese Weise soll schon bald das gesamte Hackfleisch auf der
ganzen Welt hergestellt werden. Denn die Viehzucht verbrauche viel zu viel Wasser, zu viele Landflächen, und Rinder würden viel zu viel CO2 ausstoßen und nur die Umwelt belasten. Auf Browns T-Shirt prangt denn auch der Spruch „Happy cows come from crazy scientists“.
Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos waren sich die Testesser
einig, dass Browns Burger der beste vegane Burger ist, den sie je
gekostet haben. Allein ein britischer Banker war der Meinung, dass er ein Nischenprodukt bleiben werde. Aber das hatten Zukunftsforscher wie Mathias Horx ja einst auch dem Internet prophezeit. 

Kill & Grill
Mit seinem ersten Kochbuch, für das George W. Bush ein Vorwort
geschrieben hatte, landete der Rock-Gitarrist und passionierte Jäger Ted Nugent 2002 auf Anhieb in den „Top 10 cook books ever“ der L.A. Times. Titel des Buches, das so manchen Veganer zum Kochen brachte: Kill It And Grill It.
Knapp zehn Jahre zuvor hatte Nugent schon einmal ein Buch
geschrieben, damals noch über die Jagd mit Pfeil und Bogen. Und in
New York betrieb er Anfang der Neunzigerjahre das Steak-Restaurant Meat, dessen häufigste Gäste, so der musikexpress, 1991 Beamte der Gesundheitsbehörde waren. Der Lieblingsfeind der Vegetarier war sich jedoch nie einer Schuld bewusst, sondern verteidigte das Jagen, Töten und den Verzehr von Fleisch in seinem Buch Blutspur. Die Wahrheit über die Jagd mit dem Bogen.
Eher als Opfer denn als Täter sah sich hingegen Mick Hucknell von
Simply Red: „Ich liebe Gänseleberpastete. Ich weiß, dass sie mich fett
macht, aber ich kann einfach nicht die Finger davon lassen.“
Da hatte der Nirvana-Bassist Krist Novoselic schon weit mehr
Skrupel. Als er 1995 in einem Restaurant in Seattle lebende Hummer in einem Tank entdeckte, setzte er sie kurzerhand im Meer aus.

Auszüge aus „Gastromania“ von Hollow Skai (217 Seiten, Euro 9,99), erhältlich in allen Online-Buchshops und Buchhandlungen oder bei www.bod.de

 

 

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