Letzte Weisheiten

Alles eine Frage des Weins

Womit sich Wissenschaftler so beschäftigen: Welcher Wein schmeckt am besten zu welcher Musik? Und wie wirken sich Farben auf den Geschmack aus?

Wie schmeckt Musik? 

Eine seltene Art verkoppelter Sinneswahrnehmung stellten Forscher des Züricher Instituts für Neuropsychologie 2005 bei Tests mit einer Schweizer Flötistin fest. Immer wenn sie ein bestimmtes Tonintervall hörte, fühlte sie einen dazugeh.rigen Geschmack auf der Zunge. So ordnete sie einer kleinen Terz unwillkürlich einen salzigen Geschmack hinzu, einer großen hingegen einen süßen. Wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature berichteten, sei diese Form der Synästhesie noch seltener als das Empfinden von Farbeindrücken beim Hören von Musik.
Der Frage, welcher Wein zu welcher Musik am besten schmeckt,
gingen hingegen Forscher der Heriot-Watt-Universität in Edinburgh
2016 nach. Ihrer Studie zufolge, an der sich 250 Studenten beteiligten, verstärkt sich der Geschmack eines Cabernet Sauvignon, wenn man dazu „mächtige und schwere Musik“ hört, beispielsweise „All Along The Watchtower“ von Jimi Hendrix, „Honky Tonk Women“ von den Rolling Stones, „Live And Let Die“ von Paul McCartney & The Wings oder „Won’t Get Fooled Again“ von The Who. Das Bouquet eines Chardonnay entfaltet sich besonders bei „schwungvollen und erfrischenden Melodien“ wie „Atomic“ von Blondie, „Rock DJ“ von Robbie Williams, „What’s Love Got To Do With It“ von Tina Turner oder „Spinning Around“ von Kylie Minogue. Ein Merlot sei besonders süffig, wenn Otis Reddings „(Sitting On) The Dock Of The Bay“ dazu erklingt, und zu Giacomo Puccinis Arie „Nessun Dorma“ aus der Oper Turandot biete sich ein Wein der Sorte Syrah an.

Die Farbe macht den Geschmack
Ein Riesling schmeckt fruchtig, leicht und trocken, wenn er in einem Raum mit weißem Licht getrunken wird. Bei rotem Licht kommt er uns fruchtiger und süßer vor, bei grünem sauer und unreif und bei blauem Licht wässrig. Bei gelbem Licht schmeckt er hingegen harmonisch und ausbalanciert zwischen süß und sauer. Das will der Winzer Ulrich Allendorf bei einer Weinprobe in Oestrich-Winkel im Rheingau herausgefunden haben.
Auch sonst beeinflussen Farben unseren Geschmack. Wenn Fleisch
bläulich angestrahlt wird, ekeln wir uns davor, weil wir denken, es
sei vergammelt. Rotgefärbter Joghurt schmeckt angeblich beeriger als weißer. Und grüne Äpfel assoziieren wir mit einem säuerlichen Geschmack.
Darüber, ob unsere Geschmackserwartungen individuell gelernt werden, wie die Psychologin Kathrin Ohla vom Forschungszentrum
Jülich meint, oder ob sie genetisch bedingt sind, wie der
Farbpsychologe Harald Braem glaubt, streiten sich die Experten noch. Einig sind sich die Lebensmittelindustrie, Supermärkte und Fast-Food-Restaurants jedoch darin, dass Farben unseren Geschmackssinn beeinflussen. „An Fleischtheken wird Rotlicht genutzt, damit das Fleisch frischer und saftiger aussieht“, so Braeme in der FAZ, und Kaffee in dunklen Verpackungen werde als stärker eingeschätzt, als er es tatsächlich ist. Dabei käme es nicht allein darauf an, was man esse, sondern auch auf die Farbe des Geschirrs. Wer von blauen Tellern speise, werde schneller satt, weil Blau mit Entspannung und Entschleunigung verbunden wird; man esse dann langsamer und weniger als von weißen Tellern, die den Geschmack verstärkten. Ein Faktor, den man sich auch bei einer Diät zu Nutze machen könne.
Wer eine gesunde Ernährung anstrebt, sollte sich jedoch nicht allein auf Farben verlassen. Statt sich auf Tricks mit Farben zu kaprizieren, sollte man sich lieber bewusst ernähren. „Und wenn Farben einen dabei unterstützen, umso besser.“ 

Auszüge aus „Gastromania“ von Hollow Skai (217 Seiten, Euro 9,99), erhältlich in allen Online-Buchshops und Buchhandlungen oder bei www.bod.de

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