Synonyme für Rock’n’Roll

Uramerikanische Spirituosen

Jack Daniel’s, Rebel Yell, Jim Beam und Southern Comfort verdanken ihre Popularität nicht zuletzt der Rockszene.

Rock’n’Roll muss wie ein Schluck Jack Daniel’s sein, hat Nikki Sixx, der Bassist und Keyboarder der Pudel-Rockband Mötley Crüe mal gesagt. „Man muss fühlen können, wie er brennt.“ Weshalb er wohl vor allem in der Heavy-Rock-Szene so beliebt war, wie der Def-Leppard-Sänger Joe Elliott festgestellt hat: „Die größte Gemeinsamkeit in den meisten Rock’n’Roll-Bands ist es, zusammen noch eine Flasche Jack Daniel’s zu köpfen.“ Auch Jimmy Page von Led Zeppelin, Lemmy von Motörhead, der AC/DC-Sänger Bon Scott, Kurt Cobain von Nirvana und Keith Richards von den Rolling Stones waren große Fans von Jack Daniel’s, sodass dieser Whisky ebenso zum Synonym des Rock’n’Roll wurde wie die E-Gitarre.

Die Marke, deren Stammsitz noch heute in Lynchburg, Tennessee
liegt, einem auch nach dem Ende der Prohibition „trockenen“ County, bezeichnet sich denn auch selbst als „festen Partner“ der Punk-Revolution und ist stolz auf ihre Verankerung in der Musikszene, die auf Frank Sinatra zurückgeht. Als der 1947 in einer New Yorker Bar saß und sich gerade einen Drink bestellen wollte, schlug ihm der Entertainer Jackie Gleason einen Whisky vor, den Sinatra so schnell nicht vergessen sollte: „Jack Daniel’s. That’s a good place to start.“ Egal, wo Frankie-Boy später hinging, Jack war immer dabei: zu seinen Füßen gleich neben dem Mikrofonständer, an Bord seines Privatjets, wenn er bei Preisverleihungen in der ersten Reihe saß, und sogar bei seiner Beerdigung – in seiner Jackentasche.
Offenbar war auch der Firmengründer selbst davon überzeugt gewesen, dass Musik die Menschen einander näherbringt. Im Ballroom seines Hauses standen Gästen ein Steinway-Flügel und andere Instrumente zur freien Verfügung. Und als 1892 in Lynchburg zwei neue Saloons eröffneten, The White Rabbit und The Red Dog, gründete er eine zehnköpfige Hausband, die er mit Instrumenten wie einem Kornett, einem Akkordeon, Althörnern oder einer Snare Drum im Wert von 227,70 Dollar ausstattete. 

More! More! More!
Das amerikanische Musikmagazin Spin veröffentlichte 2006 einen
Comic, der prima erklärte, wie Billy Idol auf die Idee zu seinem größten Hit „Rebel Yell“ gekommen war. Danach hatte der ehemalige Sänger der englischen Punk-Band Generation X auf einer Party, die der Gitarrist Ronnie Wood anlässlich von Mick Jaggers 40. Geburtstag schmiss, die beiden aus der Ferne beobachtet, wie sie gemeinsam mit Keith Richards eine Flasche Rebel Yell leerten, einen Bourbon aus dem tiefen Süden der Vereinigten Staaten, den die Stones auf einer US-Tournee entdeckt hatten. Als Engländer hatte Idol diese Whisky-Marke noch nie gesehen und wunderte sich, dass ein Offizier der Konföderierten auf dem Etikett abgebildet war, woraufhin man ihm erklärte, dass es Rebel Yell bereits im 19. Jahrhundert gegeben habe und dies auch ein Schlachtruf der
Südstaaten-Armee im Amerikanischen Bürgerkrieg gewesen sei. Als gut erzogener Punk, der er war, erkundigte er sich höflich, ob Jagger beabsichtige, diese Phrase in einem Song-Text zu benutzen, doch der antwortete nur: „Nah. Harlem Shuffle, that’s a catch phrase.“
Idol wollte sich sofort an die Arbeit machen und einen Song namens
„Rebel Yell“ schreiben, als er von seiner Begleiterin jedoch ungehalten darauf hingewiesen wurde, dass sie immer noch nicht betrunken sei und Nachschub benötige: „I want more! More! More!“ Woraufhin Idol sie fragte: „Hy, Luv, you’re not using that in a song, are ya?“ Dann fuhr er direkt ins Studio und schrieb mit Steve Stevens seinen ersten Welt-Hit, in dem seine Begleiterin allerdings nicht mehr einen weiteren Drink begehrte, sondern mehr Sex mit ihm.
Heute ist aus dem Refrain längst ein Ritual geworden. Wer in geselliger Runde einen Shot hinunterstürzt, ruft anschließend: „More! More! More!“ Keith Richards hörte indes irgendwann in den Neunzigerjahren damit auf, Rebel Yell zu trinken, und ging zu Wodka über – angeblich, weil er von Whisky dicke Finger bekam.

Uramerikanische Spirituose
Nach seiner Teilnahme am Mexikanisch-Amerikanischen Krieg,
den er in seinen Memoiren als den ungerechtesten Krieg verurteilte,
den je ein starker gegen einen schwachen Staat geführt habe, wurde Ulysses S. Grant nicht nur zum Hauptmann befördert, sondern auch zum Alkoholiker. Nichts desto trotz brachte er es im Amerikanischen Bürgerkrieg zum Oberbefehlshaber der Nordstaaten; 1869 wurde er sogar zum 18. Präsidenten der USA gewählt.
Als man ihn während des Bürgerkriegs bei Abraham Lincoln anschwärzte, weil er ein bekennender Bourbon-Liebhaber war, soll der aber recht entspannt reagiert haben: „Findet heraus, was er trinkt, und schickt den anderen Generälen auch eine Kiste davon..“
Genugtuung wiederfuhr Grant auch, als der Amerikanische Kongress Bourbon 1964 als „uramerikanische Spirituose“ anerkannte, die auch vom Western-Star James Stewart im Film Ist das Leben nicht schön? und von J.R. Ewing in der Fernsehserie Dallas getrunken wurde. Allein Gene Hackman hatte in French Connection II seine Probleme damit, einen Bourbon auf Französisch zu bestellen.
Einer der ersten Bourbons wurde übrigens von einem Deutschen
destilliert, dem 1740 nach Kentucky ausgewanderten Johannes Jakob Boehm, der sich schon bald in Beam umbenannte. Erst dessen Urenkel James B. Beam (1864 – 1947) gab dem Kentucky Straight Whisky, der aus Mais destilliert wird, aber seinen heutigen Namen: Jim Beam.

Handschellen & Manschettenknöpfe
Drei Monate vor ihrem Tod tourte Janis Joplin gemeinsam mit The
Band, Grateful Dead, Buddy Guy und Sha Na Na in einem eigens
gecharterten Zug durch Kanada. Neben einer Packung Zigaretten,
einer Zigarettenspitze, Blättchen, Streichholzschachteln, auf denen sie sich Telefonnummern notiert hatte, diversen Zimmerschlüsseln von Hotels und Motels, Gitarrenplättchen, einer Schachtel Kleenex, Makeup, einem Adressbuch, Makadamia-Nüssen von American Airlines, Cassetten mit Musik von Johnny Cash und Otis Redding, Kaugummi, einer Sonnenbrille, Kreditkarten, Aspirin, einem Korkenzieher, einer Biografie über Zelda Fitzgerald und Thomas Wolfes Südstaatenroman Schau heimwärts, Engel hatte sie in ihrer Handtasche auch eine leere Flasche ihres Lieblingslikörs dabei, Southern Comfort.
Der war einst von dem Barkeeper Martin Wilkes Heron im French
Quarter von New Orleans erfunden worden, als er ein Fass Whisky mit Pfirsichen, Orangen, Zimt und Vanille verfeinerte, und hieß zunächst Cuffs + Buttons (Handschellen und Manschettenknöpfe). Nachdem Janis Joplin auf sehr vielen Fotos mit einer Flasche des „Grand Old Drink of the South“ zu sehen gewesen war, hatte ihr die Herstellerfirma auf ihre Anfrage hin 6.000 Dollar gezahlt, um sich für die ungewöhnliche Werbung zu bedanken. Zuvor hatte Southern Comfort – damals wusste man eben noch, was sich gehört – bereits einen Cocktail nach einer Protagonistin des Films Vom Winde verweht benannt. Ein ScarlettO’Hara enthält neben Southern Comfort auch Cranberry- oder Preiselbeersaft sowie Limetten- oder Zitronensaft. 

Auszug aus Gastromania (217 Seiten, Euro 9,99), erhältlich in allen Online-Buchshops und Buchhandlungen oder bei www.bod.de

Foto (Jim Beam): Deposit

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