Proust Mahlzeit!

Illustrierte Wochenschau

Zu Gast bei Marcel Proust. Restaurants leiden unter Personalnot. Der Umsatz fair gehandelter Produkte ist gesunken. Und das Online-Shopping verzeichnet Zuwachsraten. Unsere Woche im Überblick.

In Marcel Proust Ich-Erzählung Auf der Suche nach der verlorenen Zeit reichten dem Protagonisten schon eine Tasse Tee und ein Gebäckstück,  um ihn auf eine Reise in die Tiefen der Erinnerung und des Bewusstseins zu schicken. Weil sich die feine Gesellschaft, die Proust so treffend beschrieb, sich vor allem beim Essen zu Hause oder in Restaurants, auf Dinnerpartys und edlen Empfängen traf, liest sich sein Romanzyklus wie eine Ode an ästhetische Erlebnisse, die das Leben bereichern. Und Essen gehörte für Proust einfach dazu. Anlässlich des 150. Geburtstags von Marcel Proust erinnert Kais Harrabi in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an das Kochbuch Zu Gast bei Marcel Proust, das die Literaturwissenschaftlerin Anne Borel 1992 zusammen mit dem Restaurantchef Alain Senderens verfasst und veröffentlicht hatte.

Auch hierzulande schätzen es viele, gerade nach den corona-bedingten Entbehrungen, endlich wieder Essen zu gehen. Allerdings hatte der monatelange Lockdown der Restaurants zur Folge, dass sich die auch zuvor schon beklagte Personalnot noch weiter verschärft hat. Vielen Betrieben fehlen schlichtweg die Köche, Bedienungen und Servicekräfte, um Gäste zu bewirten. Der Business Insider befragte deshalb Restaurantketten, wie sie den Arbeitskräftemangel beheben wollen, erhielt aber nur vage Antworten. So setzt Mirko Silz von der Systemgastronomie-Kette L’Osteria auf flexiblere Arbeitszeitmodelle wie eine 4-Tage-Woche und die Einbindung der Beschäftigten in Entscheidungsprozesse. McDonald’s will mit gezielten und zielgruppenspezifischen Maßnahmen und mithilfe digitaler Bewerbungstools  neue Mitarbeiter gewinnen, doch auch das ist nicht gerade neu. Die Enchilada Franchise GmbH will die Vorteile der Gastronomie gegenüber anderen Branchen mehr betonen. Und die Burger-Kette Hans im Glück will jedem Bewerber eine Chance geben, sich zu beweisen. Ohne eine faire und angemessene Bezahlung, da sind sich alle einig, wird es aber nicht gehen. Für Guido Zeitler, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), ist die Lage somit alles andere als rosig: „Unbezahlte Überstunden, ein rauer Umgangston und eine hohe Abbruchquote unter Azubis sind nur einige strukturelle Probleme. Die Unternehmen haben es über Jahre versäumt, die Arbeit attraktiver zu machen. Das rächt sich jetzt.“

Pandemie-bedingt zurückgegangen ist im vergangenen Jahr auch der Umsatz fair gehandelter Produkte. Dem Forum Fairer Handel zufolge gaben deutsche Ver­brau­che­r 2020 mit 1,8 Milliarden Euro fast 3 Prozent weniger dafür aus als im Vorjahr. Der Umsatzrückgang sei neben starken Einbrüchen im Außerhausverkauf auf den stark gefallenen Absatz fair gehandelter Bananen zurückzuführen. Billige Bananen seien wichtige Lockangebote der Discounter, deren Rabattschlachten auch auf den Fairen Handel ausstrahlten, weil Ver­bau­che­r nicht mehr bereit seien, angemessene Preise zu zahlen. Erst im Juni hatte der Discounter Netto fair gehandelte Bananen aus dem Sortiment genommen.

Eine Studie der Beratungsunternehmen Alvarez & Marsal und Retail Economics ergab derweil, dass jeder dritte Verbraucher künftig weniger in stationären Geschäften einkaufen will. Bis zum Jahr 2025 steigt der Online-Anteil demnach von 12 Prozent (2019) auf 20 Prozent, sodass Händler mehr denn je die Rentabilität ihrer Ladenflächen überdenken, sprich: reduzieren müssen. Je mehr sich der Handel in Richtung E-Commerce verlagert, umso stärker werden aber auch die Gewinne der Händler sinken. Einen hohen Anteil daran habe die Retourenquote, weil das Zurücksenden von Waren fest im Konsumverhalten junger Menschen verankert sei.

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