Bistronomy statt Fine Dining

Wie sich die Gastronomie in der Corona-Krise verändert

Thomas Winkler hat den Foodblogger Per Meurling interviewt, dessen „Berlin Food Stories“ auf Instagram mehr als 80.000 Abonnenten erreichen. In dem Gespräch zieht der „Fulltime Foodie“ aufschlussreiche Schlussfolgerungen aus der Corona-Krise.

Viele Restaurants haben aus der Not eine Tugend gemacht und „zum Teil grandiose Ideen“ entwickelt. Womit nicht nur Takeaways gemeint sind, sondern auch die Lieferung aller Zutaten für ein Abendessen samt Bedienungsanleitung: „Umarme erst einmal den anderen Menschen in deiner Quarantäne, entspann dich, wirf die Playlist an, die wir für dich zusammengestellt haben, und mach die Flasche auf, damit der Wein atmen kann.“
Spitzengastronomen wie Tim Raue haben ein Best-of ihrer Karte zusammengestellt und kochen die Gerichte vor, die man sowohl kalt essen, als sich zu Hause aufwärmen kann.

Sterneköche verspüren nicht mehr den Druck, „jeden Abend den Stern verteidigen zu müssen“, sondern können auch wieder mal „was Einfaches“ kochen oder etwas, was sie vielleicht schon immer mal kochen wollten. Die Blase der gehobenen Gastronomie, „in der das Essen immer krasser, immer extravaganter und außergewöhnlicher werden musste, um Aufmerksamkeit zu generieren“, ist vorerst geplatzt. Der Überbietungswettbewerb und ständige Innovationsdruck ist vorbei. Bistronomy statt Fine Dining ist nunmehr angesagt.

Der schon seit langem apostrophierte Trend zum Saisonalen und Regionalen wird dadurch beschleunigt, dass es im Supermarkt nicht mehr zu jeder Jahreszeit frischen Spargel aus Chile gibt oder exotische Früchte.

Wer sich in dieser Ausnahmesituation intensiver mit Essen beschäftigt, lernt viel über Qualität und die Feinheiten der Kochkunst und wird den Restaurantbesuch wieder mehr schätzen. Essen wird wieder so wertgeschätzt, dass man auch bereit ist, angemessen dafür zu zahlen.

Mahlzeiten sind wieder der Höhepunkt des Tages und der „soziale Kristallisationspunkt“, der sie mal waren. „Das Essen gewinnt wieder eine Bedeutung zurück, das es in der modernen Gesellschaft verloren hatte.“

Das Interview mit Per Meurling können Sie in der taz nachlesen.

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