Resteverwertung

Fake Whiskys und Prohibitions-Cocktails

Wie der Mai Tai und der Manhattan erfunden wurden

Eine Flasche des 60 Jahre alten Macallan Valerio Adami 1926 wurde bei einer Versteigerung in Edinburgh für rund 947.000 Euro verkauft. Den Zuschlag bei der Auktion erhielt ein Käufer aus Asien, wo es ein „riesiges Interesse an Whisky“ gebe, wie Richard Harvey vom Auktionshaus Bonhams feststellte: „Überall im Fernen Osten werden Whisky-Bars eröffnet.“

Kein Wunder, dass Whisky auch als Geldanlage dient. So kosten Jahresflaschen und Sonderabfüllungen von Glenmorangie zwischen 80 und 120 Euro und sind nur ein Jahr später bereits 20 bis 30 Prozent mehr wert. Vor allem limitierte Abfüllungen nicht mehr existierender Destillerien versprechen eine hohe Rendite.

Einer der teuersten Whiskys erwies sich allerdings als Fälschung. Nachdem ein chinesischer Geschäftsmann im Schweizer Kurort St. Moritz 8.600 Euro für ein Gläschen Single Malt Macallan-Whisky aus dem Jahr 1878 bezahlt hatte, stellte sich heraus, dass der „zu 95 Prozent zwischen 1970 und 1972 hergestellt wurde“. Die Echtheit hatte Sandro Bernasconi, in dessen Hotel der Whisky ausgeschenkt worden war, erst hinterher überprüfen können. Weshalb er extra nach China reisen musste, um sich persönlich bei seinem Gast zu entschuldigen.

Nachdem 1933 in den USA die Prohibition aufgehoben worden war und Whisky und Gin wieder importiert oder produziert werden durften, saß so mancher Barbesitzer auf den mühsam ins Land geschmuggelten Restbeständen seines karibischen Rums und fragte sich, wie er sie doch noch gewinnbringend verkaufen könnte. So auch Ernest Gantt, der in Los Angeles die Bar Don the Beachcomber betrieb, Cocktails mit bis zu 15 Komponenten austüftelte, um den Geschmack des minderwertigen Rums zu überdecken, und auch den Mai Tai erfand, der süß und süffig ist und kaum nach Alkohol schmeckt.

Mit Victor Bergeron, dem etwas weiter nördlich, in Oakland, die Bar Trader Vic’s gehörte, stritt Gantt sich später vor Gericht, wer den aus Orangenlikör, Limettensaft, Zucker- und Mandelsirup sowie jamaikanischem Rum gemixten Cocktail erfunden habe. Doch dessen Name stammt der Legende nach weder von Gantt noch von Bergeron. Angeblich hätten Tahitianer, die den Cocktail probierten, „Mai Tai Roa Ae!“ gerufen, zu Deutsch: „Nicht von dieser Welt!“

Andere Bartender griffen zur Zeit der Prohibition auf kanadischen Whisky zurück, weil es weder Bourbon noch Rye Whisky gab, mischten ihn zu gleichen Teilen mit süßem Wermut und gaben Zuckersirup, Curacao, Maraschino oder Absinth dazu – und produzierten so einen Manhattan, den ein gewisser George Black 1884 in einer Bar am New Yorker Broadway erfunden haben soll. Der Legende zufolge war Black der erste, der eine Spirituose mit Wermut statt Wasser mischte.

Dass die Prohibition erfinderisch machte, zeigt auch die Geschichte eines britischen Drinks, der ursprünglich aus Fruchtlikör und Brandy gemixt wurde, des Shrubs. In den USA wurde der Likör allerdings von Abstinenzlern durch Fruchtessig ersetzt, sodass aus einem Shrub eine Limonade wurde, die jeder selbst herstellen konnte und die auch Kindern schmeckte.

Auszüge aus „Gastromania“ von Hollow Skai (217 Seiten, Euro 9,99), erhältlich in allen Online-Buchshops und Buchhandlungen oder bei www.bod.de

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