Der Geschmack unseres Lebens

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - und Äppelwoi

Pepsi bald mit Nutri-Score. 2G-Regeln auch in Kantinen. Renaissance des Äppelwoi. Und Anna Netrebko kann nicht nur singen. Unsere Woche im Schnelldurchlauf.

Gut zwei Drittel ihres Limo-Umsatzes macht die deutsche Tochter des amerikanischen Getränkeproduzenten Pepsico schon jetzt mit kalorienreduzierten oder -freien Brausen wie Pepsi, 7Up oder Rockstar, den Punica-Säften und Chips (Lay’s). Im April 2022  will sie nun auch noch die Lebensmittelampel Nutri-Score für ihr gesamtes Sortiment einführen. Davon verspricht sie sich einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Coca-Cola, das den Markt der klassischen zuckerhaltigen Varianten dominiert.

Wie die Rheinische Post berichtet, wollen die Konzerne Bayer, Eon und Alltours in ihren Kantinen die 2G-Regel einführen. Für geimpfte und genesene Mitarbeiter soll es schon bald eigene Bereiche in den Kantinen und Cafeterias der Unternehmen geben, in denen die Angestellten ungezwungen zusammensitzen können. Wer sich nicht impfen lassen oder keine Auskunft über seinen Impfstatus geben möchte, soll in der Kantine weiterhin Abstandsregeln einhalten und Masken tragen müssen. Auch der Versicherungskonzern Ergo prüfe bereits vergleichbare Regelungen.  

Der Äppelwoi vereine alles, was Frankfurt/Main so besonders mache und zusammenhalte. Dieser Ansicht ist zumindest Jakob Strobel y Serra, der stellvertretende Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Mehr noch als die Paulskirche verkörpere der Apfelwein die Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Was aber nicht heiße, dass der Äppler ein Einheitsgetränk sei, knüpfe doch eine neue Generation von Äpfelweinwinzern seit ein paar Jahren an die goldene Zeit des Frankfurter Nationalgetränks in der Belle Époque an, als Äpfelwein-Champagner an Europas Fürstenhöfen und in den Salons von Transatlantikdampfern als „German Champagne Cider“ galt. Enthusiasten wie Jens Becker, Norman Groh oder Jörg Stier hätten für eine Renaissance des Qualitätsäpfelweins gesorgt und böten der Massenware aus osteuropäischem Apfelsaftkonzentrat kunstvolle Manufaktur-Stöffche entgegen.

Bevor eine neue CD von ihr erscheint, hat die Sopranistin Anna Netrebko schnell noch ein Kochbuch geschrieben, das heute erscheint: Der Geschmack meines Lebens (Molden Verlag, 160 Seiten, 30 Euro). Im Kapitel „Einst im Sowjetland“ widmet sie sich nicht nur einer Blinitorte mit Lachs und Forellenkaviar, sondern auch einer Borschtsch-Suppe, für die man Rote Bete, Knollen- und Stangensellerie, Kartoffeln, Karotten und Tomaten, Zwiebeln und Petersilienwurzeln, sehr viel Wasser und reichlich Suppenfleisch benötige. Wenn Anna Netrebko so kocht wie sie singt, dürfte selbst Borschtsch ein Festessen sein.

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