Weihnachten ist auch nicht mehr, was es nie war

Abgang ist überall

Lebkuchenhäuser sind vielen wurscht. Nürnberg hat nun auch ein Bratwurstmuseum. Ein Isländer hat ein spezielles Weihnachtsbier gebraut. Fleischkonzerne sind so schmutzig wie die Ölindustrie. Edeka schmeißt Pepsi und Granini aus den Regalen. Und Rewe erhält den Goldenen Windbeutel 2021. Unsere Woche im Schnelldurchlauf.

Lebkuchenhäuser sind Lügengebäude. Denn die windschiefe Konstruktion aus Zucker und Mehl, so die Süddeutsche Zeitung, habe absolut nichts mit der christlichen Weihnachtsgeschichte zu tun und bestehe absurderweise aus Nahrungsmitteln, die nicht gegessen werden sollen. Und spätestens an Weihnachten sei das Haus hart wie Stein und diene bestenfalls als Staubfänger. Gott sei Dank gäbe es aber Leute, denen das komplett wurscht sei und die formschöne Märchenhäuschen aus Wurst, Käse, Crackern und Gemüse bauten und sie unter dem Stichwort #charcuteriechalets auf Instagram, Pinterest oder Tiktok präsentierten.

Weil die Geschichte der 1313 erstmals offiziell erwähnten Nürnberger Bratwurst zugleich die Geschichte der Stadt Nürnberg ist, eröffnete der Schutzverband Nürnberger Bratwürste e.V. nun in der Nürnberger Bratwurstgasse 1 ein Bratwurstmuseum. Bei einem Museumsbesuch erfährt man zum Beispiel, warum die Nürnberger Rostbratwürste so klein sind. Eine Grillmöglichkeit soll allerdings erst im nächsten Jahr geschaffen werden.

Ein neues Weihnachtsbier hat sich der Isländer Valgeir Valgeirsson ausgedacht.  Das Gebräu aus Rotkohl und grünen Erbsen soll bei seinen Landsleuten gut ankommen. Aber dort isst man ja auch besonders gerne Hammelhoden und fermentierte Haie.

Hierzulande bevorzugt man hingegen wohl auch weiterhin Rind-, Schweine- oder Geflügelfleisch – obwohl der Klima-Fußabdruck der großen europäischen Fleischkonzerne so groß ist wie der von Mineralölkonzernen. So hat der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase des Schlachtbetriebs Tönnies zwischen 2016 und 2018 um ein Drittel zugenommen, wie eine Untersuchung des Institute for Agriculture and Trade Policy (IATP) ergab. Die deutschen Emissionen gehörten zwar zu den höchsten der EU, die Unternehmen veröffentlichten jedoch auch weiterhin keine Daten und würden auch keine Klimaziele benennen, kritisierte das IATP.

Das komplette Sortiment des Getränkeproduzenten PepsiCo hat derweil Edeka aus seinen Regalen verbannt, um die Renditen der Industrie einzudampfen und bessere Konditionen auszuhandeln. Im Streit mit Granini hatte Edeka erst kürzlich die Säfte durch eine Eigenmarke ersetzt. Weil deren Design sich kaum von dem der Granini-Säfte unterscheide, erwirkte Eckes-Granini beim Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung. Über den Design-Klau soll im Januar verhandelt werden.

Mit dem Goldenen Windbeutel für die dreisteste Werbelüge zeichnete die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch in diesem Jahr das Wilhelm-Brandenburg-Hähnchen-Brustfilet von Rewe aus. Begründet wurde die Wahl damit, dass die Werbung den Eindruck erwecke, die Produktion des Hähnchens wirke sich nicht schädlich auf das Klima aus, obwohl es weder emissionsfrei hergestellt noch der anfallende CO2-Ausstoß ausgeglichen werde. Platz 2 belegt das natürliche Mineralwasser von Volvic, das damit wirbt „klimaneutral zertifiziert“ zu sein, und Platz 3 eroberten die Green-Cap-Kaffeekapseln von Mövenpick, die weder recycelt noch kompostiert werden können.

Damit verabschiede ich mich nach fünf Jahren aus der Magazin-Redaktion der Gastro Vision. Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr – und drücke die Daumen, dass es 2022 weitergeht.
Immer der Ihre
Hollow Skai 

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