Doch keine Kurzarbeit für Osterhasen

Illustrierte Wochenschau

Die Rücknahme des Shutdowns über Ostern beruhigt die Gemüter. Freilandeier werden knapp. Der Brexit sorgt für sinkende Lebensmittelexporte. Und die Deutschen essen immer weniger Fleisch. Unsere Woche im Überblick.

Nachdem Bund und Länder einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen hatten, damit die Zahl der Neuinfektionen nicht noch weiter steigt und das Gesundheitswesen nicht kollabiert, entschuldigte sich die Bundeskanzlerin einen Tag später persönlich für die Entscheidung – und nahm sie prompt wieder zurück.

Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) begrüßte diesen Schritt: „Es ist die richtige Entscheidung, die Osterruhe zurückzunehmen und dem Lebensmittelhandel so auch am Gründonnerstag die Öffnung zu ermöglichen.“ In Zeiten von Corona müsse es darum gehen, den Kundenandrang zu verteilen und nicht durch zusätzliche Schließungen für Schlangen vor den Geschäften zu sorgen. 

Schwamm drüber? Darüber hätte sich so mancher Politiker gefreut. Joe Oehler von der Einkaufsgesellschaft progros las den Verantwortlichen aber die Leviten: „So was kommt, wenn man Meetings um 15 Uhr nachmittags ansetzt und bis 3 Uhr morgens verhandelt. Allein das sind schon zwei Kardinalfehler, die niemand im Privaten oder Geschäftlichen machen würde.

1. Wenn du ein knallhartes Akut-Problem hast, dann triffst du dich morgens, planst ggf. mehrere Tage und Sessions – vielleicht mit kleinen Abständen – hintereinander ein, bis du alles bestmöglich durchdacht und auch mal in Ruhe und Besonnenheit reflektiert hast. Wir alle wissen, dass wir Menschen auch mal Zeit brauchen und gewisse Dinge auch mal sacken lassen müssen, bis eine Entscheidung reif ist.

Und 2.: Du betrachtest alle, die am Tisch sitzen, als Team und als Partner. Mit denen suchst du nach Lösungen – aber du verhandelst oder ringst nicht mit ihnen um Positionen. Und du kommst auch nicht um 24 Uhr mit einem Beschluss um die Ecke und überfällst alle anderen damit, du taktierst nicht, sondern du bist in allem Tun offen und transparent. Und genau das ist das Desaster, das sich bei dieser Bundesregierung nicht nur seit der Coronakrise wie ein roter Faden durchzieht. Ich finde das im höchsten Maße verantwortlungslos der gesamten Gesellschaft gegenüber. Vor allem und gerade jetzt. Ganz zu schweigen von der Verantwortungslosigkeit in Sachen Vorbildfunktion: Daddeln im Meeting oder bei Bundestagsdebatten, Pizza und Junk-Food als Mitternachtssnack, deutliches Überschreiten jedweder gesunden Arbeitszeit. Dass bei dieser selbst auferlegten Arbeitsweise, bei dieser Einstellung, bei dieser Haltung, bei diesen 100 Stunden-Wochen und Nachtmarathons, bei dieser ungesunden Lebensweise am Ende nur Nonsens rauskommen kann, ergibt sich von selbst und bekommen wir immer häufiger belegt. Der Inzidenzwert der Fehlentscheidungen ist wesentlich dynamischer als der des Coronavirus. Und das alles zusammen hat jedwede Glaubwürdigkeit verspielt: Was willst du denn jetzt noch glauben, für ernst nehmen? Wo ist der Plan, das Konzept, die Vision? Wo ist der Team-Deutschland-Spirit?“

Ostereier werden knapp. Manch einer wird über Ostern aber wohl auf Freilandeier verzichten müssen. Wegen der aktuell grassierenden Geflügelpest werden sie in einigen Regionen Deutschlands knapp. In vielen Orten, so Friedrich-Otto Ripke vom Zentralverband der deutschen Geflügelwirtschaft im Spiegel, dürften Hühner ihre Ställe nicht mehr verlassen: „Nach 16 Wochen Stallhaltung dürfen die Eier nicht mehr als Eier aus Freilandhaltung, sondern nur noch als Eier aus Bodenhaltung vermarktet werden.“

Nicht davon betroffen sind Ostereier aus Schokolade.

Der Brexit und die Folgen. Bereits im Januar  war der Handel zwischen Großbritannien und der EU infolge des Brexit stark zurückgegangen. Die Ausfuhren von Lebensmitteln aus Großbritannien in die Europäische Union sanken laut dem britischen Lebensmittelverband Food and Drink Federation (FDF) im Vergleich zum Vorjahresmonat um drei Viertel. Am stärksten betroffen sind mit 98 Prozent Lachs-Exporte, Rindfleisch (minus 91 %), Schweinefleisch (minus 86 %) und Whiskey (minus 63 %).

Neben Handelshemmnissen durch den Brexit, so der FDF, sei aber auch die Lagerhaltung britischer Unternehmen für den Exportrückgang verantwortlich. Viele Firmen hatten ihre Lagerbestände vor dem Austritt aus Binnenmarkt und Zollunion noch aufgefüllt.

Freiwilliger Fleischverzicht. Auf ein Jahrzehnte-Tief ist im vergangenen Jahr der Verbrauch von Fleisch pro Kopf gesunken. Mit knapp 58 Kilogramm pro Person war der Konsum so niedrig wie noch nie seit 1989. Das geht aus den vorläufigen Angaben der Versorgungsbilanz Fleisch des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hervor. Danach wurden im Vergleich zum Jahr 2019 pro Person insgesamt 750 Gramm weniger Fleisch gegessen.

Eine aktuelle Studie der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) und des Investors Blue Horizon Corporation (BHC) geht sogar davon aus, dass bereits 2035 jede zehnte Mahlzeit und jedes Getränk statt aus tierischen Lebensmitteln aus alternativen Proteinen bestehen und einen Umsatz von 244 Millarden Euro erreichen wird. Derzeit liegen die Umsätze mit Ersatzprodukten zu tierischen Lebensmitteln noch bei rund 33 Milliarden Euro. Die Schweizer Beteiligungsfirma BHC wurde von dem veganen Visionär Roger Lienhard gegründet und beteiligt sich seit 2016 an den Burger-Alternativen Beyond Meat und Impossible Food.

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