Der Boom nach dem Lockdown

Illustrierte Wochenschau

Ersparnisse könnten in der Nach-Corona-Ära einen gigantischen Boom auslösen. Lindt & Sprüngli verzichten auf Zucker. Die Welt hat ein globales Müllproblem. Und Gastronomen konsumieren mehr Alkohol als Geistliche. Unsere Woche im Überblick.

Der weltweite Lockdown hat im vergangenen Jahr dazu geführt, dass die Haushalte in den USA, China, Japan und Europa 3 Billionen US-Dollar angespart haben. Das hat die Finanzagentur Bloomberg ausgerechnet. Rein theoretisch könnten die Konsumenten mit ihren Ersparnissen nach einem Ende der Pandemie einen regelrechten Boom auslösen und das Wirtschaftswachstum um satte 9 Prozent steigern. Der Sommer 2020 habe sich zwar als eine „falsche Morgendämmerung“ erwiesen, so die Bloomberg -Ökonomin für den Euroraum, Maeva Cousin, aber auch gezeigt, „wie schnell sich die Volkswirtschaften erholen können“. Die Chancen stünden somit gut, dass sich der „massive Geldpuffer aus den Ersparnissen der privaten Haushalte“ auflöse und es eine verstärkte Nachfrage geben werde.

Die Deutsche Bank beurteilt die wirtschaftlichen Aussichten zwar etwas vorsichtiger, hofft aber ebenfalls, dass die Auflösung des Konsumstaus sich entscheidend auf die konjunkturelle Erholung auswirkt. Sie geht davon aus, dass ein Drittel der Ersparnisse in diesem Jahr in den Konsum zurückfließt, fast 70 Prozent aber in Einlagen oder Vermögenswerten verbleiben.

Die Wirtschaftsweisen glauben wiederum, dass die deutsche Sparquote in der zweiten Jahreshälfte 2021 wieder auf ihr Vorkrisenniveau zurückfällt. Aktuell schlummern 142 Mrd. Euro auf deutschen Sparkonten. 

Gemäß der deutschen Verordnung über Kakao- und Schokoladenerzeugnisse muss eine Schokolade auch Zucker enthalten. Nachdem Ritter Sport eine neue Schokolade namens „Cacao y Nada“ auf den Markt gebracht hat, die auch ohne Zucker süß schmeckt, ersetzt nun auch der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli bei seiner neuen Schokolade „Excellence Cacao Pur“ Zucker durch Kakaofruchtpulver. Wir sind gespannt, ob das deutsche Lebensmittelrecht nun reformiert wird oder ob das Hamburger Fachamt für Verbraucherschutz wieder Einwände erhebt wie im Fall der zuckerfreien Limo Lemonaid.

Globales Müllproblem. Knapp ein Fünftel der weltweit verkauften Lebensmittel – 931 Millionen Tonnen – landete einem UN-Bericht zufolge 2020 im Müll von Privatwohnungen, Restaurants, Läden und anderen Essensanbietern. Auf jeden Menschen würden somit 121 Kilogramm Lebensmittelabfall anfallen, 74 davon allein in den Haushalten.

Die ehemalige Landwirtschafts- und Ernährungsministerin Renate Künast fand dafür im Interview mit der Süddeutschen Zeitung drastische Worte: „Wir haben ein System etabliert, in dem immer alles überall vorhanden sein muss. Zwei Minuten vor Ladenschluss können Kunden noch die weltweite Palette von Obst und Gemüse kaufen.“ Weil die Landwirtschaft für 15 Prozent der Klimagase verantwortlich sei, müssten wir „weg von der Idee des ewigen Wachstums“. Dass wir aus dem Boden immer mehr und immer schneller etwas herausholen wollen, habe dazu geführt, dass sich Produktionsweisen mit viel Chemieeinsatz etabliert hätten. „Da steckt auch Raubbau drin, denn für die Produkte braucht man billiges Palmöl oder Zucker, man rodet deshalb Wälder für Ackerflächen und bildet Monokulturen. Ein anderes Beispiel ist die Vorstellung, dass Lebensmittel schön sein müssen. Wenn ein Apfel ein paar Schrunden hat oder eine Möhre krumm gewachsen ist, werden sie weggeworfen. Wenn wir uns angewöhnen würden, dass dies trotzdem gute Waren sind, wären wir einen Schritt weiter.“

 

 

Alkohol am Arbeitsplatz. Einer britischen Studie zufolge konsumieren Gastronomen und Handwerker mehr Alkohol als Ärzte, Lehrer, Geistliche oder Meteorologen. Allerdings ergab die  Studie auch geschlechtsspezifische Unterschiede. So trinken Managerinnen und leitende Angestellte mehr Alkohol als Reinigungskräfte oder Bedienungen. Mit der Studie wollte die Universität Liverpool herausfinden, welche Berufe mit starkem Alkoholkonsum in Verbindung stehen, um Interventionen besser ausrichten zu können.

Wie sagte doch einst der Aphoristiker Werner Mitsch: „Wer die Wahrheit im Wein finden will, darf die Suche nicht gleich beim ersten Glas aufgeben.“

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